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Pacific Coast and Olympic National Park

Der wilde Nordwesten

Von Portland aus fahren wir an die Küste zur Tillamook Bay. Eineinhalb Stunden hatten wir veranschlagt, zwei brauchen wir, weil die Koordinaten des Campingplatzes, den wir herausgesucht haben, nicht stimmen und wir mitten auf einer Lichtung im abgeholzten Wald landen.

 

Schließlich finden wir den RV Park und es begrüßen uns dutzende Kaninchen, die hier überall auf dem gesamten Campingplatz unterwegs sind und mümmeln. Timba ist ganz begeistert, nur leider ist seine Leine immer zu kurz um nahe genug hinzukommen. Dafür ist der Hund des Campingplatzbesitzers, ein Königspudel, ganz angetan von Timba und rast auf dem Hundeplatz mit ihm um die Wette.

 

Endlich wieder Internet, heiße Duschen und saubere Toiletten. Wir stehen mitten in der Natur an einem Bach und genießen den Luxus.

Three Capes Scenic Route

Am nächsten Morgen fahren wir den Three Capes Scenic Drive und besuchen Cape Kiwanda, Cape Lookout und Cape Meares. Die landschaftlich wunderschöne Straße windet sich entlang der Küste und wir haben immer wieder einen traumhaften Blick aufs Meer. Wilder gelber Ginster leuchtet am Straßenrand und zwischendurch lässt sich sogar die Sonne blicken.

 

Am Cape Kiwanda wandern wir zu den gelb-roten Sandsteinklippen neben denen eine sicher 60 Meter hohe Düne aufragt. Armin erklimmt sie mit Timba und winkt mir von oben stolz zu. Timba hat den Weg sicher dreimal gemacht, weil er gar nicht verstanden hat, dass ich unten geblieben bin. Doch mein Knöchel wird nur langsam besser und ich möchte ihn nicht überanstrengen.

 

Am Cape Meare dürfen wir in den über einhundert Jahre alten Leuchtturm hinaufsteigen und bekommen genau erklärt, wie er funktioniert hat. Er hat immer noch die Orginallinsen, die ein rot-weiß intermittierendes Licht abgeben, ist aber seit den 60er Jahren nicht mehr in Betrieb. Der Leuchtturmwärter hatte zwei Helfer, einer putzte alle zwei Stunden die Außenfenster, der andere war für die Innenfenster zuständig. Bei dem wechselnden, oft nebligen Wetter war es sicher nicht immer gemütlich hier oben.

 

Lewis and Clark National Historic Park

Nach einer weiteren Nacht auf unserem „Kaninchen-Campingplatz“ passieren wir Seaside, ein beliebter Erholungsort am Meer für die Portlander, und besuchen den erst seit 2005 existierenden Lewis and Clark National Historic Park.

Captain Lewis Clark und Captain Meriwether Lewis suchten im Auftrag von Präsident Thomas Jefferson eine Wasserroute, die zum Pazifik führte. Sie starteten im Mai 1804 in San Louis, fuhren den Missouri River nach Norden bis zu seiner Quelle und überquerten dann die Rocky Mountains. Anschließend paddelten sie zusammen mit einem französisch-kanadischen Händler Toussaint Charbonneau, dessen Frau, der Shoshone-Dolmetscherin, Sacagawea, deren Baby und 31 weiteren Männern auf dem mächtigen Columbia River bis zum Pazifik. „Ocian in view! O! the joy!“ , rief Clark aus, als sie endlich am 7.November 1804 den Ozean erreichten. Sie waren ungefähr 7000 Kilometer durch den amerikanischen Kontinent gereist und endlich am Pazifik angekommen. Am 10.12.1804 begann dieses Corps of Discovery, wie sie sich nannten, ein Fort als Winterlager zu bauen. Fort Clatsop wurde nach einem örtlichen Indianerstamm benannt und diente ihnen für die nächsten drei Monate als Unterkunft. Danach ging es den beschwerlichen Weg zurück um dem Präsidenten zu berichten.

 

Wir besuchen eine Replik dieses Fort Clatsop, das als Winterlager diente, und bekommen die schwierige Tour dieser Abenteurer und Entdecker anschaulich durch Ausstellung und einen kurzen Film vorgeführt. Wenn man sich vorstellt, dass das erst etwas über 200 Jahre her ist und wie schnell sich seitdem alles entwickelt hat, ist das schon sehr beeindruckend.

Astoria

Durch den ältesten Ort westlich der Rocky Mountains, Astoria, bummeln wir ein bisschen durch. Diese Hafenstadt ist 1811 von John Jacob Astor, der Pelzhändler um das Kap Horn geschickt hatte um am Ende des Columbia River einen Handelsposten zu errichten, gegründet worden. Heutzutage ist der Ort ein größerer Fischereihafen, an dem sogar Kreuzfahrtschiffe Halt machen.

Eine riesige Brücke, die Astoria Bridge, überquert hier den Columbia River und führt uns in den Staat Washington zur Olympic Peninsula.  

Washington State

Der Staat Washington ist der nordwestlichste Staat der USA und grenzt in der Meeresstraße Strait of Juan de Fuca an Kanada. Nicht die große Stadt Seattle ist die Hauptstadt sondern der kleine Ort Olympia, von dem wir vorher noch nie etwas gehört haben.

Aufgrund der Vielzahl von Nadelbäumen trägt der Staat den Spitznamen "Evergreen State". Der Westen Washingtons ist geprägt von der weit verzweigten und inselreichen Meeresbucht Puget Sound. Hier im Westen, besonders im Olympic National Park ist das regenreichste Gebiet der Vereinigten Staaten. Um so mehr können wir uns freuen, dass wir strahlenden Sonnenschein haben. Im trockenen Osten nach der bis zu 4400 Meter hohen Kaskaden-Bergkette, in der der Northcascades Nationalpark liegt, grenzt der Staat an Idaho. In dem Kaskadengebirgszug liegt als höchster Berg der Mount Rainier. Besondere Bekanntheit hat auch der noch aktive Vulkan St. Helens, der 1980 zuletzt ausbrach.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig ist die Luft- und Raumfahrtindustrie mit dem Arbeitgeber Boing, der in Seattle sitzt. Doch auch namhafte Technologieunternehmen wie Microsoft und Amazon haben in diesem Staat ihre Zentrale.

Olympic National Park

Nachdem wir in der Nähe von Astoria übernachtet haben, fahren wir in den Olympic National Park. Dieser Park beinhaltet drei verschiedene Welten: neblige Regenwälder, schneebedeckte Berge und traumhafte, einsame Strände.

 

Am Lake Quinault wandern wir 1.5 Meilen einen Trail durch den Regenwald und besuchen den größten Sika Spruce Tree der Welt. Dies ist eine Kiefer mit 60 Meter Höhe und 20 Metern Umfang. Doch eigentlich beeindruckend ist der Weg an einem Bach entlang durch den Regenwald, eine üppige Vegetation in verschiedenen Grüntönen, in der alles überwuchert ist von Moos und überall mannshohe Farne wachsen.

 

Unsere Route führt uns weiter zu den wunderschönen Pazifikstränden. Den Beach #2 wollen wir uns näher anschauen. Armin führt uns einen Weg hinunter von der Straße zum Strand, der natürlich keiner ist (der Weg)und in dem wir auch prompt steckenbleiben. Also wieder zurück und den „richtigen“ Weg suchen, der eigentlich gut ausgeschildert ist. Aber ein bisschen Abenteuer muss ja auch sein. Der Strand ist ein Traum. Wir sind ganz allein in kilometerlanger Wildnis. Überall liegt Strandholz, aber nicht nur Stöckchen, sondern riesige Bäume, die vom Meer schon jahrzehntelang umspült werden. Wir sind so begeistert, dass wir ein paar Kilometer weiter auf einen der Nationalpark-Campingplätze in Kalaloch direkt am Meer gehen und dort sogar noch einen Stellplatz mit Meerblick bekommen. Die Sonne zeigt sich, es ist gerade Ebbe und so beschließen wir noch ein Radtour am Strand zu machen. Es ist einfach wunderschön hier und abends grillen wir noch Hamburger am Lagerfeuer. Danach schauen wir uns noch einen von Flos Filmen auf der Festplatte an. Der  Film Twilight, der hier auf der Olympic Peninsula in der kleinen Stadt Forks spielt, führt uns direkt an Ort und Stelle und wir können uns die düstere Stimmung, die im Film herrscht, live vor Augen führen.

Am nächsten Tag erwachen wir bei herrlichem Sonnenschein und beschließen noch eine zweite Nacht zu bleiben.

Die Strände hier sind ganz anders als in Mexiko. Keine heißen Sommerstrände mit Palmen, Drinks und in der Sonne liegen, sondern sie wirken eher wie wilde Nordseestrände, an denen man stundenlang spazierengehen kann. Gottseidank haben wir Glück mit dem Wetter, denn es kann hier auch schnell neblig und ungemütlich werden. Den Tag verbringen wir mit lesen, Blog schreiben und spazierengehen. In der in der Nähe gelegenen Lodge Kalaloch essen wir eine Kleinigkeit (ich leckere Muscheln) und genießen den schönen Ausblick.

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