Weiter Richtung Süden (grob)

Sognefjellet

Am nächsten Morgen düsen wir diese wunderbare, einspurige Mautstrasse zurück zur Hauptstraße mit herrlicher Aussicht auf die leider immer noch regenverhangenen Gletscher. 

Wir fahren jetzt eine der schönsten Straßen Norwegen, die Sognefjellet. Die Norweger haben 12 Straßen gekennzeichnet als besondere schöne Aussichtsstrassen und da gehört die 108km lange Sognefjellet von Lom bis Gaupne dazu. Schon Jahrhunderte lang war Sognefjell ein wichtiger Verbindungsweg zwischen Ost- und Westnorwegen. Sognefjell ist mit 1430m ü.M. Nordeuropas höchster und vielleicht schönster Pass. Die spektakuläre Straße ist atemberaubend, wild, karg und eine der schönsten Straßen, die wir je gefahren sind. Auf 1300 m bestaunen wir die wunderschöne Seenlandschaft, soweit wir sie sehen können. Leider sind die Gipfel der umliegenden 24 2000er meist in den Wolken versteckt, doch zwischendurch lässt sich ein Gletscherfeld oder eine Bergspitze sehen. Wir bestaunen das Mefjellet, ein Kunstwerk, durch das man die Landschaft noch einmal anders sieht. Weiter geht es zur Sognefjellshytta. Hier ist ein kleiner Wanderweg angelegt, den wir gehen. Es ist ganz schön kalt hier oben (5°C). Das Haus ist architektonisch ein Meisterwerk. Wir sind ganz verliebt in die tolle Holzkonstruktion, durch deren Fenster man einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge hat (bei schönem Wetter). Kurz nach dem Haus finden wir noch ein kleines Schneefeld für Timba. Der freut sich, dass er sich im Schnee wälzen kann, bevor er wieder ins Auto muss. Nun schraubt sich die enge Straße in Serpentinen und Wellen wieder hinunter ins Tal. Manchmal ist es die reinste Achterbahnfahrt. Wir sind froh, dass so wenige Fahrzeuge unterwegs sind und Armin "gleiten" kann. In Sogndal sind wir wieder unten und fahren das kurze Stück bis Kaupanger. 

Die Fjordfahrt im Naeroyfjord

Der Naeroyfjord ist der schmalste Fjord Europa und wir leisten uns die Fährfahrt von Kaupanger nach Gudvangen für 110€ inkl. Wohnmobil.  Der Naeroyfjord, der ein Nebenarm des Sognefjords ist, ist 19 Kilometer lang, von bis zu 1800 Meter hohen Bergen umgeben und gilt als der schmalste Fjord der Welt. An seiner schmalsten Stelle misst der Fjord lediglich 250 Meter. 2.5 Stunden dauert unsere Fährfahrt durch die tolle Landschaft. Vom Wasser aus sieht das doch alles wieder anders aus. 

Zahlreiche Wasserfälle stürzen die steilen Berghänge hinab. Hoch über dem Fjord sind immer wieder einzelne Bauernhöfe zu sehen, die keine Straßenanbindung haben. Wir haben einen tollen Platz direkt hinter der Reling, wo wir kaum nass geregnet werden. Aber das Wetter ist scheußlich und es ist kalt. Trotzdem ist diese Fährfahrt ein Erlebnis, dass wir nicht missen möchten. Die Felswände links und rechts sind doppelt so hoch wie die Wasserfläche breit ist. Es ist sehr eindrucksvoll, wie die Fähre durch den engen Fjord gleitet und man vorher nicht sagen kann, wo sie abbiegen wird. In Gudvangen verlassen wir das Schiff und weiter geht die Fahrt Richtung Flam. Kurz hinter Aurland finden wir einen schönen Stellplatz am Fluss und beschließen hier zu bleiben. Wir machen mit Timba noch eine kleine Wanderung am Fluss entlang und er freut sich, dass er endlich toben kann. 

Am nächsten Morgen lacht endlich wieder die Sonne. Das hätten wir gestern gebraucht. Naja, wir müssen einfach nochmal kommen und dann die Sognefjellet bei Sonne fahren. 
Doch bei uns geht es jetzt weiter auf die Straße # 50 nach Gol. Allerdings kommen wir nur bis zur nächsten Kurve, dann scheppert es gewaltig und das Auspuffblech, das Armin gestern provisorisch mit einem Spanngurt festgemacht hatte, kommt runter. Offensichtlich ist der Spanngurt durchgebrannt. In der Kurve ist Gottseidank eine große Ausweichstelle, also muss Armin wieder unters Auto. Mit einer stahlverstärkten Wäscheleine, keine Ahnung wieso wir so etwas haben, bindet Armin das Blech wieder fest und wir hoffen, dass es diesmal hält.

 

Weiter gehts viele Serpentinen und Tunnel nach oben. Hier in Norwegen gibt es einspurige Tunnel, mit und ohne Ampel davor, Tunnel, in denen man scharfe Rechts- oder Linkskurven fährt, Tunnel mit Kreisverkehren, dunkle Tunnel und Tunnel, in denen es wunderschön blau beleuchtete "Hallen" gibt.

Die Straße, die wir fahren, geht ins Aurlandsdalen, das aber kein Tal ist, sondern eine traumhafte Hochebene, auf der wir nach den vielen Tunneln landen. Wir finden eine kleine 4x4 Straße, parken und gehen mit Timba ein Stück spazieren. Nachdem wir kein Verbotsschild sehen, meint Armin, da könnten wir doch auch hochfahren. Gesagt, getan. Wir kämpfen uns den gravelroad-Hang hoch und haben dabei eine herrliche Aussicht. Es ist eine wunderschöne Gegend hier, karg, aber doch sehr farbig durch rötliches Gras und grünes und gelbes Moos. Und natürlich führt die Strecke immer wieder an Seen entlang. Wir sind begeistert. Oben steigen wir aus, bewundern die Landschaft und Timba macht Bekanntschaft mit einigen Schafen, die keine Angst vor ihm haben.

 

Zurück auf der Straße #50 geht es weiter durch eine hochalpine Seenlandschaft, und diesmal bei Sonne mit Wolken. Das ist natürlich besser als der gestrige Regen und wir genießen die schöne Gegend. 

Wir fahren die "Abenteuerstraße" #7 noch weiter bis nach Hokksund. Auf dem Weg hierher sieht man deutlich die Schäden, die das Unwetter vor drei Wochen angerichtet hat. Es war ein Orkan mit Regen, der unheimlich viele Schäden hinterlassen hat. 

In Hokksund habe ich einen Campingplatz herausgesucht, doch als wir dort ankommen, sagt uns die Dame an der Rezeption, dass sie geschlossen haben, weil der Fluss so große Schäden angerichtet hat und der Pegel immer noch 3.5 m über normal liegt. Und wirklich. Wir sehen, was Wasser für Schäden anrichten kann. Vieles ist davongespült worden oder steht unter Wasser. Der nächste Campingplatz liegt am gleichen Fluss und hat aus diesem Grund auch geschlossen. Wir stehen gerade vor dem Campingplatz und überlegen, was wir nun tun, da spricht uns ein Mann an, der gerade mit seinem großen Pudel Gassi geht und seine drei Kinder dabei hat: wir könnten gerne bei ihm in seiner Einfahrt mit dem Wohnmobil stehen. Und das machen wir dann auch. Edwin ist Niederländer und Lehrer und lebt seit 16 Jahren hier in Norwegen. Sein Sohn ist sehr interessiert an der Laserdruckerei und die beiden Töchter sind auch sehr nett. Die jüngere malt für uns sogar noch ein Bild. Wir verbringen einen schönen Abend zusammen und philosophieren bei einer Flasche Wein über das Leben. Was für ein Glück so nette Menschen zu treffen. 

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